Es wird sich wohl nicht nur der eine oder andere gefragt haben, warum es seit dieser Saison keine „Hinter dem Zaun“ mehr gibt; wahrscheinlich hat jeder Kurvengänger ein bisschen verwundert geguckt.
Der Grund dafür ist hart und schnell erzählt: der komplette Stamm der HdZ-Redaktion inklusive näherem Umfeld ist seit kurzer Zeit nicht mehr Mitglied bei den Suptras Rostock. Man hat sich als Einzelpersonen zu diesem Schritt durchgerungen, nachdem beide Seiten sehr lange sehr viele Kompromisse eingegangen sind, die man jetzt nicht mehr eingehen will und kann.
Inzwischen sind die unterschiedlichen Auffassungen vom Fandasein, speziell davon, wie man Ultras ausleben möchte, einfach zu weit auseinander gegangen. Es hat den betreffenden Personen einfach keinen Spaß mehr gemacht, sich in dieser Form für unseren Verein aufzuopfern. Aber gerade das ist es, was uns alle antreibt: dass wir uns innerhalb unseres Umfeldes wohl fühlen, dass wir den ganzen Alltagsmist vergessen können, wenn wir mit unseren Freunden zum Fußball fahren und die verschiedensten Aktionen organisieren.
Vor allem hat sich in der letzten Zeit herausgestellt, dass man einfach andere Themenschwerpunkte setzt als andere Teile der Gruppe. Auch wir wollen uns auf vielen Wegen mit dem Gegner messen, nur liegt die Gewichtung der Art und Weise bei uns anders. Die Rostocker Szene war seit jeher durch ihre vielen Facetten geprägt, wir wollen jetzt eine weitere dieser Facetten sein.
Denn für uns ist die Subkultur Ultras vor allem eines: eine Chance, dem verdammten Alltag zu entfliehen und sich auszuleben, sich neu zu entdecken und Dinge zu leisten, die man sich vorher nie zugetraut hätte. Dazu gehört auch, kompromisslos zu leben, und deswegen ist es unserer Meinung nach gegenüber der restlichen Szene die ehrlichste Entscheidung, bei SR auszutreten, so schwer das den betreffenden Personen auch gefallen ist.
Wir wollen damit nicht die Szene in verschiedene Lager spalten, Leute gegeneinander aufhetzen oder ausspielen. Wir wollen einfach nur versuchen, unseren Weg so gut es geht weiterzugehen, mit dem Freiraum, den wir brauchen und mit allen Hindernissen, die auf diesem Weg liegen. Natürlich werden wir uns weiter für den FC Hansa Rostock engagieren, schließlich ist dieser nach wie vor ein wichtiger Teil unseres Lebens, weswegen wir uns auch weiterhin zur Rostocker Fanszene zählen. Genauso werden wir in Zukunft auch versuchen, uns aktiv in die Kultur der Stadt selbst einzubringen; sei es durch soziale Projekte oder das Veranstalten von Konzerten.
Die HdZ hätten wir gerne weiter veröffentlicht, aber aufgrund der emotional sehr aufgeladenen Situation konnte man sich mit SR nicht auf einen Weg einigen, dies zu bewerkstelligen. Trotzdem werden wir weiterhin mit den Suptras zusammenarbeiten, um Rostock angemessen nach außen zu vertreten. Schließlich werden Freundschaften nicht über Nacht beendet und wir sind immernoch alle Teil des Ganzen. Ebenso wird es weiterhin unregelmäßigen Output aus dem Kreise der ehemaligen Redaktion geben.
Es sei noch gesagt, dass dieser Schritt nichts mit der aktuellen Repressionswelle zu tun hat, der man sich in Rostock ausgesetzt sieht. Wir hoffen, dass die Rostocker Szene gestärkt aus dieser schwierigen Zeit hervorgehen wird, in der wir dem Verein nicht mal das Geld wert sind, das wir ins Stadion tragen. Und für all die selbstherrlichen und realitätsfernen Arschlöcher, die uns das Fanleben mit dieser Repression und Stadionverboten zur Hölle machen wollen, haben auch wir wenig Hoffnung: denn wir sind die Fans, der Fußball gehört uns!
Wir, der Kreis um die ehemalige HdZ-Redaktion, werden vorerst als unabhängige Ultras auftreten.
PRÄSENT UND PROGRESSIV! (September 2009)


